Arbeitskreis Quartiersforschung

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» AK-Jahrestagung 2010 in Köln: Call for Papers
Eingetragen von Olaf Schnur am 16.04.10

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Jahrestreffen 2010 des AK Quartiersforschung
der Deutschen Gesellschaft für Geographie

am 12. November 2010

Nachhaltige Quartiersentwicklung - Zur Wirkkraft eines normativen Konzeptes

Tagungsort: Fachhochschule Köln, Claudiusstr. 1, 50678 Köln
Raum: Rotunde

Call for Papers

Nach den Themen „Governance in der Quartiersentwicklung“ (Berlin 2008) und “Quartiere im demographischen Wandel” (Wien 2009) wollen wir mit dem Thema Nachhaltige Quartiersentwicklung abermals ein hochaktuelles Thema im Mittelpunkt unserer Tagung stellen.

Als im Jahr 1984 die norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland zur Vorsitzenden der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung berufen wurde, war dies nach den Kommissionsberichten “Das Überleben sichern” (Nord-Süd Kommission, 1980) sowie “Die gemeinsame Sicherheit” (Independent Commission on Disarmament and Security Issues, 1982) der dritte Auftrag für die Erarbeitung eines weltumspannenden politischen Hand-lungsdispositivs, für den die Generalversammlung der Vereinten Nationen Verantwortung übernahm. In ihrem Abschlussbericht weist die Kommission zwar im Geiste der Berichte des Club of Rome (Colombo & Turani, 1986; Meadows, 1974) auf die Grenzen von einseitig auf monetären und kurzfristigen Nutzen hin ausgerichtete Wachstums- und Entwicklungsstrategien hin. In einem weiteren Schritt versucht sie aber auch, ein alternatives, vor allem generationenübergreifendes Entwicklungsszenario zu entwerfen und die bisher als konfliktär angesehene Beziehung zwischen den Zielen “Wachstum” und “Erhaltung der natürlichen Umwelt” aufzubrechen. Dazu führt die Kommission den Begriff der “dauerhaften Entwicklung” ein: “Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.” (Hauff, 1987, 46)

In den Jahren nach der Veröffentlichung des Brundtlandberichtes wurde Nachhaltigkeit zu einem Grundprinzip von Politik und mit der Rio-Abschlusscharta „Agenda 21“ war ein globa-les Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert formuliert, das insbesondere die städtische Entwicklung ins Zentrum stellte. Leitende These war die Annahme, dass es die Städte, in de-nen zahlreiche der “Ungleichgewichte [verursacht], die unsere moderne Welt schädigen” entstehen (Charta von Aalborg, 1994, S. 2); und es sind die Städte, in denen Antworten auf diese Herausforderungen gefunden werden müssen (ebd., S. 3). Dass dabei die Quartiere der “Nukleus” einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind, lautet die zweite These, die hier von Relevanz ist (Schnur, 1999).

Doch in welcher Form kann das Quartier einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten? Immerhin deutet “alles darauf hin, dass das Wesentliche des vor Ort zu Erlebenden und zu Sehenden […] ihren Kern ganz woanders haben“ (Bourdieu 1997, S. 159) Und: Wie weit ist die Forde-rung, wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele gleichberechtigt in Quartieren zu fördern überhaupt realistisch? Hilft der Nachhaltigkeitsdiskurs nicht eher, bisherige - unbefriedigende - Handlungsstrategien zukunftsorientiert umzuformulieren bzw. zu begründen (Dangschat, 2001, S. 76f.)? Und: Wie weit ist die Forschung und Praxis, die sehr viel spätere Diskussion in den Sozialwissenschaften über soziale Nachhaltigkeit an den Mainstream-Diskurs anschlussfähig zu machen und zu operationalisieren? Denn oft wird soziale Nachhaltigkeit auf das Kriterium der Partizipation verengt (Drilling, 2009).

Doch trotz aller Kritik am Konzept Nachhaltigkeit erleben wir seine Wiederentdeckung in der aktuellen Siedlungsentwicklung: Bauten vor allem der öffentlichen Hand werden auf ihre Nachhaltigkeit hin geprüft; für Quartiere und Wohnsiedlungen werden Bewertungssysteme zur Nachhaltigkeit entwickelt, im Zuge der Klimaziele werden Quartiere und Wohnsiedlungen unter dem Leitbild der “2000-Watt-Gesellschaft” errichtet, einzelne Städte und Gemeinden nehmen die Nachhaltigkeitsvision in ihre Leitbilder auf. Die Sozialwissenschaften publi-zieren rege zum Thema soziale Nachhaltigkeit.

Folgende Themenkomplexe sollen im Rahmen des AK Treffens erörtert werden und entsprechende Abstracts sind gebeten, sich einem der Themenkomplexe zuzuordnen:

1)
Diskurs nachhaltige Quartiersentwicklung: Was wird 25 Jahre nach dem Brundtland-Bericht unter nachhaltiger Quartiersentwicklung verstanden? Welche Sichten haben sich warum durchgesetzt, welche nicht? Welches sind die konkurrierenden normativen Leitbilder?

2)

Zur Governance nachhaltiger Quartiersentwicklung: Welche Formen der Steuerung haben sich herausgebildet? Wie weitreichend sind Akteursnetzwerke, wie gestaltet sich das Zusammenspiel zwischen Politik, Eigentümern/Immobilienwirtschaft und Ver-waltung? Welche Konzepte sind zur Planung von Steuerung hilfreich (z.B. Regimekonzept)? Resultiert aus den anderen Formen der Steuerung auch ein verändertes Entwicklungsverständnis?

3)
Modelle nachhaltiger Quartiersentwicklung: Gesucht sind ‘best practise’-Beispiele auf Ebene Quartier/Siedlungen. Gefragt wird nach den Möglichkeiten und Grenzen der gleichwertigen Berücksichtigung von Zielen sozialer Nachhaltigkeit auf dieser Massstabsebene. Was ändert sich konkret in den ‘best practise’ Beispielen z.B. in Bezug auf gesellschaftliche Herausforderungen wie Segregation, Armut, Fragmentierung der Stadt?

4)
Bewertungssysteme und Evaluationen (mit Fokus auf sozialer Nachhaltigkeit): Wie wird soziale Nachhaltigkeit im Quartierszusammenhang definiert? Welche Systematiken eignen sich für die Umsetzung? Welche Erfahrungen mit der Bewertung gibt es?

Der AK richtet sich an alle, die sich in Forschung und/oder Praxis (Kommunen, Immobilien-wirtschaft, Consulting…) mit Quartiersthemen befassen, insbesondere auch an NachwuchswissenschaftlerInnen. Der Arbeitskreis versteht sich als ein offenes, interdisziplinäres und integrierendes Forum für den fachlichen Austausch: Deshalb sind selbstverständlich neben GeographInnen auch Angehörige anderer sozialwissenschaftlicher Disziplinen sowie StadtplanerInnen und weitere Fachpersonen der Praxis herzlich willkommen!

Für das Jahrestreffen, das in Köln am 12. November 2010 stattfinden wird, sind Impulsreferate (ca. 20 Minuten) aus den oben beschriebenen Themenbereichen vorgesehen. Themen-vorschläge (mit Kurzexposés von höchstens einer Seite) richten Sie bitte bis spätestens 5. Juli 2010 an einen der beiden Sprecher des AK Quartiersforschung, die auch für weitere Auskünfte und Rückfragen gerne zur Verfügung stehen. Bei ausreichender Anzahl und Qualität der Beiträge ist eine anschließende Verlagspublikation möglich.

Interessierte, die kein Referat vorstellen, aber dennoch an der Tagung teilnehmen möchten, sind ebenfalls herzlich eingeladen. Über eine formlose Anmeldung per eMail freuen wir uns! Das definitive Tagungsprogramm wird bis spätestens Anfang November vorliegen.

Darüber hinaus planen wir am Vorabend, den 11.11.2010 einen Stadtspaziergang zu organisieren. Neben der Besichtigung modellhafter nachhaltiger Quartierentwicklungsprojekte in Köln (z.B. autofreier Stadtteil) werden wir aus aktuellem Anlass auch den Beginn der “fünften Jahreszeit” (Eröffnung der Karnevalssaison ab 11.11.) erleben.

Dieser CfP liegt auch in einer zum Ausdrucken oder zum Weiterverbreiten geeigneten PDF-Version inkl. Anfahrtskizze vor (Download).

» Kommentare
Zu diesem Beitrag existieren aktuell 1 Kommentare.
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  • Kommentar von:
    LemmyKalk
    Eingetragen am:
    25.06.10

    Hallo Herr Schnur,
    Warum tagen Sie in der FH-Südstadt und nicht in einem der Sozalen Stadt Quartiere wir Mülheim, Buchforst, Kalk, HöVi, etc.?

    Soziale Stadt im Sinne von Quartiersmanagment hat in Köln nicht stattgefunden. Good governance ? Vergessen Sie es! Ich selbst habe als Bürger versucht den Bezug zur LA 21 in Kalk zu schlagen. So viel Unwissenheit und Ingnoranz an einem Haufen tut schon weh.
    Professor Schubert und Herr Speickermann können dies bestätigen.

    Jedenfalls kann ich meine Behauptungen auch belegen! Bis heute gibt es keinen Abschlussbericht zum 2004 ausgelaufenen Kalk-Programm! Von Professor Nipper habe ich aber 2 Diplomarbeiten als Bilanzen bekommen.

    Ich überlege einen Beitrag zu leisten, der einhundertprozentig für Stimmung sorgen würde.
    Kalk&Berg;frei
    Manfred Kreische

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